{"id":209,"date":"2016-06-18T10:32:06","date_gmt":"2016-06-18T08:32:06","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=209"},"modified":"2016-06-19T23:42:46","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:46","slug":"expo-ansatz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=209","title":{"rendered":"Expo-Ansatz"},"content":{"rendered":"<p>Bei Bremsvorg\u00e4ngen von Motorr\u00e4dern h\u00e4ngt das Verz\u00f6gerungsniveau stark vom Fahrer ab. Anders als beim Pkw k\u00f6nnen beim Zweirad Vorderrad- und Hinterradbremskreis mit Hand- und Fu\u00dfbremse getrennt angesteuert werden. Dar\u00fcber hinaus besteht f\u00fcr Zweiradfahrer das Problem, dass eine \u00dcberbremsung der R\u00e4der, d.h. ein \u00dcbergang der R\u00e4der in den Blockierzustand, nach M\u00f6glichkeit verhindert werden muss, da dies generell eine Sturzgefahr beinhaltet. Dabei ist ein Blockieren des Hinterrades in der Regel der unkritischere Zustand, da das Zweirad dann notfalls noch mittels Gewichtsverlagerungen des Fahrers im Gleichgewicht gehalten werden kann.<\/p>\n<p>Erst der \u00dcbergang des Vorderrades in den Blockierzustand f\u00fchrt dann nach kurzer Zeit sicher zum Sturz. W\u00e4hrend man also beim Pkw problemlos \u201evoll auf die Bremse langen kann\u201c, empfiehlt es sich bei Zweir\u00e4dern, die Bremskraft im Normalfall dosiert einzusetzen.<\/p>\n<p>Wie umfangreiche von unserem B\u00fcro durchgef\u00fchrte Versuche belegen, f\u00fchrt die komplexe Regelaufgabe f\u00fcr den Zweiradfahrer unter normalen Umst\u00e4nden zu etwas l\u00e4ngeren Anstiegszeiten bis zum Erreichen der Vollverz\u00f6gerung. Dabei ist unter \u201eVollverz\u00f6gerung\u201c in diesem Zusammenhang der maximale Verz\u00f6gerungswert zu verstehen, den ein Zweiradfahrer mit gegebener Fahrerfahrung erreichen kann. Typischerweise beobachtet man, dass mit zunehmender Fahrerfahrung der Wert der maximal erreichbaren Verz\u00f6gerung a ansteigt. Gleichzeitig wird dieser maximale Verz\u00f6gerungswert von ge\u00fcbten Fahrern auch schneller erreicht. Um dieses Verhalten von Motorradfahrern realit\u00e4tsnah erfassen zu k\u00f6nnen, wurde der sog. \u201eExponentialansatz\u201c zur mathematischen Beschreibung entwickelt. Er ber\u00fccksichtigt die l\u00e4ngere Schwellphase und die erreichbare Vollverz\u00f6gerung in Abh\u00e4ngigkeit der Fahrerfahrung (vertiefend hierzu: Weber\/Hugemann, Der Verkehrsunfall 28, 1990, S. 832\u2013835).<\/p>\n<p>Anders als bei Pkw sind also bei Bremsungen mit einem Motorrad starke Schwankungen der effektiven Bremsverz\u00f6gerung m\u00f6glich, die von der Fahrerfahrung des Auffassen und von der insgesamt f\u00fcr die Bremsung zur Verf\u00fcgung stehenden Zeit abh\u00e4ngig sind. Liegt eine l\u00e4ngere Spurzeichnung eines Motorrades vor, stammt sie in aller Regel vom Hinterrad. Bei nahezu allen Motorr\u00e4dern erfolgt die Bet\u00e4tigung der Hinterradbremse \u00fcber einen Fu\u00dfhebel, der eine genaue Dosierung der Bremskraft nicht erlaubt. Deshalb wird insbesondere bei Notbremsungen zur Vermeidung einer Kollision im Regelfall das Hinterrad zum Blockieren gebracht. Ein Beispiel f\u00fcr eine Blockierspur eines Hinterrades direkt vor dem Unfall zeigt Abb. A-4. Nach Auffassung einiger Unfallanalytiker ist nicht zwingend davon auszugehen, dass zus\u00e4tzlich noch die Vorderradbremse eingesetzt wird. Anhand der Spurzeichnung l\u00e4sst sich der eindeutige Nachweis, dass die Vorderradbremse auch bet\u00e4tigt wurde, nur dann f\u00fchren, wenn entweder eine Blockierspur des Vorderrades vorliegt oder aufgrund der Entlastung des Hinterrades bei st\u00e4rkerer Bet\u00e4tigung der Vorderradbremse die Hinterradspurzeichnung wenig ausgepr\u00e4gt ist.<\/p>\n<p>In allen anderen F\u00e4llen bleibt immer ein Diskussionsspielraum zum Einsatz der Vorderradbremse. Allerdings haben umfangreiche Untersuchungen unseres B\u00fcros gezeigt, dass Motorradfahrer den gleichzeitigen Einsatz der Vorderradbremse st\u00e4ndig trainieren und auch in Stresssituationen in der Lage sind, die Vorderradbremse mehr oder weniger gezielt mit einzusetzen (Schmedding\/Weber, Der Verkehrsunfall 28 (1990), S. 320\u2013322). Jeder Motorradfahrer wei\u00df, dass der alleinige Einsatz der Hinterradbremse nur eine geringe Verz\u00f6gerung des Motorrades erm\u00f6glicht. Das damit erreichbare Verz\u00f6gerungsniveau liegt mit etwa 3 m\/s2 bei weniger als der H\u00e4lfte der mit einem Pkw erzielbaren Verz\u00f6gerung und die Bremswege werden mehr als doppelt so lang, wie bei einem gleichzeitigen Einsatz der Vorderradbremse. Oftmals zeigt sich bei Unf\u00e4llen mit Beteiligung von Motorr\u00e4dern ein Spurenbild von beiden R\u00e4dern. Hieraus kann unmittelbar der Schluss gezogen werden, dass der Fahrer auch das Vorderrad zum Blockieren gebracht hat. Meist ist diese Blockierspur des Vorderrades allerdings nur wenige Meter lang und es schlie\u00dft sich dann ein Sturzvorgang an, den der Fahrer zur Vermeidung der Kollision in Kauf nimmt.<\/p>\n<p>Im normalen Fahrbetrieb ist der Fahrer bestrebt, sein Motorrad soweit wie m\u00f6glich spurlos abzubremsen, um die Stabilit\u00e4t des Zweirades, die auf den Kreiselkr\u00e4ften der sich drehenden R\u00e4der beruht, nicht zu gef\u00e4hrden. Im Gegensatz zur Abbremsung eines Pkw, bei dem der Bremsvorgang v\u00f6llig unproblematisch ist, stellt die Abbremsung eines Zweirades f\u00fcr den Fahrer eine komplizierte Regelaufgabe dar. In Gefahrensituationen ist der Fahrer unter Stress mit dieser Regelaufgabe oftmals \u00fcberfordert, so dass zumindest das Hinterrad des Zweirades in der Regel \u00fcberbremst wird. Der erste Teil der Spurzeichnung eine Zweirades vor einer Kollision stammt deshalb in der Regel vom Hinterrad des Fahrzeugs.<\/p>\n<p>Der Stabilit\u00e4tsverlust durch das Blockieren des Hinterrades kann vom Fahrer durch Gewichtsverlagerungen zumeist abgefangen werden. Ein blockierendes Vorderrad hingegen f\u00fchrt zwangsweise zum Sturz des Fahrzeugs, da die Kreiselkr\u00e4fte des Hinterrades ohne zus\u00e4tzliche Lenkkorrekturen am Vorderrad nicht ausreichen, das Motorrad zu stabilisieren. Der Fahrer ist also auch innerhalb der Unfallentwicklung bestrebt, ein Blockieren des Vorderrades in jedem Fall zu verhindern. In der letzten Phase vor der Kollision wird oftmals unter dem Situationsstress auch diese letzte mentale H\u00fcrde fallengelassen und das Vorderrad zum Blockieren gebracht. Es wird deshalb h\u00e4ufig ein Spurenbild beobachtet, bei dem die Blockierspur im ersten Bereich vom Hinterrad des Krades stammt und kurz vor der Kollision in eine doppelte Spurzeichnung \u00fcbergeht. In dieser Phase k\u00f6nnen die beiden Blockierspur\u00e4ste aufgrund einer Schr\u00e4gstellung des Zweirades, die oftmals durch das Wegrutschen des Hinterrades verursacht wird, seitlich zueinander versetzt verlaufen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei Bremsvorg\u00e4ngen von Motorr\u00e4dern h\u00e4ngt das Verz\u00f6gerungsniveau stark vom Fahrer ab. Anders als beim Pkw k\u00f6nnen beim Zweirad Vorderrad- und Hinterradbremskreis mit Hand- und Fu\u00dfbremse getrennt angesteuert werden. Dar\u00fcber hinaus besteht f\u00fcr Zweiradfahrer das Problem, dass eine \u00dcberbremsung der R\u00e4der, d.h. ein \u00dcbergang der R\u00e4der in den Blockierzustand, nach M\u00f6glichkeit verhindert werden muss, da dies &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link block-button\" href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=209\">Weiter lesen &raquo;<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":184,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"template-twocolumnsright.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-209","page","type-page","status-publish","hentry","nodate"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=209"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":210,"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/209\/revisions\/210"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}