{"id":296,"date":"2016-06-18T11:12:50","date_gmt":"2016-06-18T09:12:50","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=296"},"modified":"2016-06-19T23:42:47","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:47","slug":"diagnose","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=296","title":{"rendered":"Diagnose"},"content":{"rendered":"<h2><b>Interdisziplin\u00e4re Diagnosem\u00f6glichkeiten<\/b><\/h2>\n<p>Der medizinische Sachverst\u00e4ndige ist nur selten in der Lage, ein HWS-Trauma tats\u00e4chlich nachzuweisen, da die Diagnose nur von den subjektiv empfundenen Beschwerden des Patienten bestimmt ist. Informationen zum konkreten Unfallgeschehen liegen ihm in der Regel f\u00fcr seine Diagnose nicht vor.<\/p>\n<p>Der technische Sachverst\u00e4ndige ist zwar in der Lage, aus den Fahrzeugverformungen und der gesamten Unfallszene die Kollisionsgeschwindigkeiten der Fahrzeuge zu ermitteln. F\u00fcr ihn stellt sich aber die Frage, welche Belastungen bei Sto\u00dfvorg\u00e4ngen von den Insassen ohne Verletzungsfolgen f\u00fcr die HWS toleriert werden. Damit ergeben sich die unterschiedlichen Problemstellungen.<\/p>\n<p>Je nach medizinischem Befund sind in Verbindung mit der technischen Auswertung verschiedene Konstellationen vorstellbar:<\/p>\n<ul>\n<li>Aus dem medizinischen Gutachten ergibt sich keine nachweisbare Verletzung, aus dem technischen Gutachten folgt keine ausreichend hohe biomechanische Belastung. Eine Kausalit\u00e4t l\u00e4sst sich nicht aufzeigen.<\/li>\n<li>Aus der medizinischen Begutachtung l\u00e4sst sich eine Verletzung weder nachweisen noch ausschlie\u00dfen; die biomechanische Belastung liegt im Grenzbereich. In einem interdisziplin\u00e4ren Dialog kann gekl\u00e4rt werden, ob und in welchem Umfang Verletzungen entstanden sein k\u00f6nnen.<\/li>\n<li>Aus der medizinischen Betrachtung resultiert ein Verletzungsbefund; die Belastung im Fahrzeug war aber nicht ausreichend, um sie auszul\u00f6sen. Ein Kausalzusammenhang mit dem Unfall liegt nicht vor.<\/li>\n<li>Aus der medizinischen Begutachtung folgt ein Verletzungsbefund; die biomechanische Belastung war ausreichend. Eine Kausalzusammenhang ist wahrscheinlich.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Zur Eingrenzung des tolerierbaren Belastungsniveaus ist es wenig sinnvoll, eine Auswertung der Verletzungsbilder nach realen Unf\u00e4llen vorzunehmen, da die simulierten Verletzungen dann zwangsl\u00e4ufig mit einbezogen w\u00fcrden. Deshalb ist es naheliegend, zun\u00e4chst einmal Belastungsvorg\u00e4nge der HWS im Freizeitbereich zu untersuchen. Das klassische Beispiel hierf\u00fcr ist die auf nahezu jedem Jahrmarkt vertretene Autoskooter-Anlage. Diese Fahrzeuge werden nicht nur von Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen und sogar \u00e4lteren Menschen (als Begleitung von Kindern) h\u00e4ufig benutzt. Hieraus lassen sich statistisch abgesicherte Erkenntnisse zu den biomechanisch tolerierten Belastungsgr\u00f6\u00dfen ableiten, da Autoskooter-Anlagen seit Jahrzehnten komplikationslos betrieben werden und jedes Jahr viele Millionen von Anst\u00f6\u00dfen dort stattfinden.<\/p>\n<p>Nach der Durchf\u00fchrung von Messfahrten mit diesen Freizeitger\u00e4ten k\u00f6nnen durch reale Crash-Versuche \u00e4hnliche Belastungsverl\u00e4ufe reproduziert werden. Die wesentlichen Einflussparameter dabei sind Ansto\u00dfgeschwindigkeit, \u00dcberdeckung, Massenverh\u00e4ltnis und Strukturh\u00e4rte der Fahrzeuge. Dabei wird das Bewegungsverhalten der Insassen, insbesondere die Relativbewegung zwischen Kopf und Brust, messtechnisch erfasst. Hieraus lassen sich dann auch Erkenntnisse zum tats\u00e4chlichen Verletzungsmechanismus bei HWS-Traumen ableiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interdisziplin\u00e4re Diagnosem\u00f6glichkeiten Der medizinische Sachverst\u00e4ndige ist nur selten in der Lage, ein HWS-Trauma tats\u00e4chlich nachzuweisen, da die Diagnose nur von den subjektiv empfundenen Beschwerden des Patienten bestimmt ist. Informationen zum konkreten Unfallgeschehen liegen ihm in der Regel f\u00fcr seine Diagnose nicht vor. 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