{"id":322,"date":"2016-06-18T11:37:03","date_gmt":"2016-06-18T09:37:03","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=322"},"modified":"2016-06-19T23:42:47","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:47","slug":"studie-97","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=322","title":{"rendered":"Studie 97"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><b>Zusammenfassung der Studie<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Rahmen einer interdisziplin\u00e4ren (technisch-medizinischen) Studie des Ingenieurb\u00fcros Schimmelpfennig + Becke und der Akademie f\u00fcr Manuelle Medizin an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster wurden Pkw-Auffahrkollisionen mit resultierenden Geschwindigkeits\u00e4nderungen zwischen 10 und 15 km\/h im Hinblick auf Verletzungen der Halswirbels\u00e4ule untersucht. Dabei wurde der Bewegungsablauf der Insassen erfasst und es wurden Analogien zwischen Pkw-Auffahrkollisionen und Autoskooter-Anst\u00f6\u00dfen nachgewiesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An den 17 Pkw- und 3 Autoskooter-Kollisionen nahmen 14 m\u00e4nnliche Freiwillige im Alter von 28 bis 47 Jahren und 5 weibliche Freiwillige im Alter von 26 bis 37 Jahren teil. Vor und nach jedem Crash wurden die Freiwilligen klinisch und kernspintomographisch untersucht. Zus\u00e4tzlich wurde eine Ultraschall-Untersuchung der HWS-Beweglichkeit durchgef\u00fchrt. W\u00e4hrend des Crash-Tests waren alle Versuchspersonen akustisch und visuell von der Au\u00dfenwelt abgeschirmt, um eine Antizipation des Ansto\u00dfereignisses zu unterbinden. Der Tonus der Halsmuskulatur wurde durch Elektromyographie-Oberfl\u00e4chen-Elektroden in verschiedenen Bereichen \u00fcberwacht. Der Bewegungsablauf und die biomechanischen Beschleunigungssignale wurden computerunterst\u00fctzt aufgezeichnet. In allen Versuchsfahrzeugen war zus\u00e4tzlich ein Unfalldatenspeicher installiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es wurden Geschwindigkeits\u00e4nderungen von 8,7 bis 14,2 km\/h bei den Pkw und 8,3 bis 10,6 km\/h bei den Autoskootern realisiert. Die mittleren Beschleunigungen lagen zwischen 2,1 und 3,6 g bei den Pkw und 1,8 bis 2,6 g bei den Autoskootern. Weder bei den orthop\u00e4dischen Untersuchungen, der computerunterst\u00fctzten \u00dcberpr\u00fcfung der Beweglichkeit, noch den kernspintomographischen Untersuchungen wurden Verletzungen der Freiwilligen festgestellt. Nur ein m\u00e4nnlicher Proband gab nach den Versuchen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum von 10 Wochen eine Einschr\u00e4nkung der Linksrotation an. Keiner der Probanden berichtete \u00fcber gravierende Beschwerden. Die kollisionsdynamischen Ausgangsparameter zur Ermittlung der biomechanischen Insassenbelastung bei Autoskooter- und Pkw-Kollisionen lagen bei leichten bis m\u00e4\u00dfigen Verformungen der Pkw in gleicher Gr\u00f6\u00dfenordnung und zeigten einen weitgehend identischen Verlauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Allgemein konnte durch die Versuche best\u00e4tigt werden, dass die sich bei Geschwindigkeits\u00e4nderungen von bis zu 10 km\/h ergebenden biomechanischen Insassenbelastungen problemlos ohne Verletzungsfolge von der Halswirbels\u00e4ule toleriert werden. F\u00fcr die Praxis der technischen Analyse sind die bei den Versuchen erzeugten Besch\u00e4digungsbilder der Fahrzeuge eine wesentliche Arbeitsgrundlage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Versuchsdesign<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt erkl\u00e4rten sich 19 Testpersonen nach einer ausf\u00fchrlichen Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Details der Studie (incl. eventueller Risiken) bereit, freiwillig teilzunehmen. Es standen 14 M\u00e4nner im Alter von 28 bis 47 und 5 Frauen im Alter von 26 und 37 Jahren f\u00fcr die 17 Pkw- und 3 Autoskooter-Kollisionen zur Verf\u00fcgung[1]. Oberstes Gebot bei den Versuchen war die Sicherheit der Probanden. Deshalb wurden alle Kollisionsgeschwindigkeiten zuvor so berechnet, dass keine h\u00f6heren Belastungswerte als bei Autoskooter-Anst\u00f6\u00dfen auftreten konnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Insgesamt standen 19 Versuchsfahrzeuge (sechs VW Golf II, f\u00fcnf Opel Kadett E Caravan, f\u00fcnf Opel Rekord E 2, und jeweils ein DB 124, DB 124 T-Modell und Opel Kadett E Stufenheck) zur Verf\u00fcgung. Bei der Auswahl der Versuchsfahrzeuge wurde darauf geachtet, dass das Kollisionsverhalten verschiedener Fahrzeugkonzepte (Stufenheck, Flie\u00dfheck und Kombi) Ber\u00fccksichtigung fand. Der strukturversteifende Einfluss einer Anh\u00e4ngerkupplung wurde mit zwei identischen Versuchsfahrzeugen vom Typ Opel Rekord E 2 analysiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angesichts der Tatsache, dass im allt\u00e4glichen Stra\u00dfenverkehr bei Heckkollisionen das auffahrende Fahrzeug fast immer \u201egebremst\u201c auff\u00e4hrt, wurde ein wesentlicher Teil der auffahrenden Versuchsfahrzeuge w\u00e4hrend des jeweiligen Crashs im vorderen Bereich abgesenkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Folgende Ziele der technisch-medizinischen Studie wurden formuliert:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Erzeugung praxistauglicher Besch\u00e4digungsbilder als Grundlage der retrospektiven Unfallanalyse mit Angabe der technischen Kollisionsparameter (Geschwindigkeits\u00e4nderung, EES-Wert, Sto\u00dfdauer, mittlere Beschleunigung).<\/li>\n<li>Vergleich der technischen Kollisionsparameter einer Autoskooter-Kollision mit denen realer Pkw-Auffahrkollisionen.<\/li>\n<li>Ermittlung des Einflusses der Sto\u00dfdauer und des Bremszustandes des gesto\u00dfenen Pkw auf die Insassenbelastung.<\/li>\n<li>Detaillierte Bewegungsanalyse der Freiwilligen im Hinblick auf neue Erkenntnisse zum Verletzungsmechanismus an der Halswirbels\u00e4ule.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Ablauf der Versuche<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Begonnen wurde die Testreihe mit einer medizinischen Voruntersuchung (1 bis 6 Tage vor dem Crash). Diese umfasste eine orthop\u00e4disch-manualmedizinische Untersuchung der HWS (incl. einer \u00dcberpr\u00fcfung der groben Kraft, der Sensibilit\u00e4t und der Reflexe der oberen Extremit\u00e4ten) und eine computergesteuerte Ultraschall-Untersuchung der HWS-Beweglichkeit mit dem CMS-50-Ger\u00e4t der Firma Zebris. Neben der Ante- und Retroflexion, Rotation in Neutralstellung des Kopfes und Seitenneigung wurde auch die Rotation in maximaler Deflexion und maximaler Retroflexion gemessen. Zus\u00e4tzlich wurde eine kernspintomographische Untersuchung der HWS mit diversen Sequenzen unter Zugabe von Kontrastmittel durchgef\u00fchrt. Im Anschluss an diese Untersuchungen fanden auf der Crash-Anlage des Ingenieurb\u00fcros Schimmelpfennig+Becke die Versuche statt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-323 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6.jpg\" alt=\"hws_6\" width=\"1153\" height=\"581\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6.jpg 1153w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6-300x151.jpg 300w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6-768x387.jpg 768w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_6-1024x516.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 1153px) 100vw, 1153px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der komplette Versuchsaufbau ist im oberen Bild skizziert. Die Kollisionsgeschwindigkeit des auffahrenden Fahrzeugs wurde mit Hilfe einer Sportlichtschranke gemessen. In beiden Fahrzeugen war zum Ansto\u00dfzeitpunkt ein Unfalldatenspeicher (UDS der Firma Mannesmann Kienzle) installiert. Mit Hilfe der hauseigenen Me\u00dftechnik des Ingenieurb\u00fcros Schimmelpfennig+Becke wurden im angesto\u00dfenen Fahrzeug die L\u00e4ngsbeschleunigung (zus\u00e4tzlich zum UDS) und Vertikalbeschleunigung der Fahrgastzelle erfa\u00dft. Als biomechanische Beschleunigungssignale wurden die Kopf- und Brustbeschleunigung aufgezeichnet. Zus\u00e4tzlich wurde die neurologische Aktivit\u00e4t verschiedener Nackenmuskeln mit Hilfe von EMG (Elektromyographie)-Oberfl\u00e4chenelektroden erfa\u00dft und parallel zu den Beschleunigungssignalen eingelesen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Bewegungen der Probanden vor, w\u00e4hrend und nach der Kollision wurden mittels einer Hochgeschwindigkeitskamera (60 bis 100 Bilder\/Sekunde) und einer Videokamera (25 Bilder\/Sekunde) dokumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_8.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-324 alignleft\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_8.jpg\" alt=\"hws_8\" width=\"340\" height=\"190\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_8.jpg 340w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_8-300x168.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a> <a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_7.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-325 alignnone\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_7.jpg\" alt=\"hws_7\" width=\"340\" height=\"188\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_7.jpg 340w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_7-300x166.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i>Beispiel f\u00fcr Besch\u00e4digungsbilder innerhalb der Versuchsreihe:<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><i><br \/>\nDie Aufprallgeschwindigkeit des Opel Kadett auf den Rekord lag bei v<sub>1<\/sub>=25km\/h, die hieraus resultierende kollisionsbedingte Geschwindigkeits\u00e4nderung im heckseitig angesto\u00dfenen Rekord betrug:\u00a0 delta v<sub>2<\/sub>=11 km\/h<\/i><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Bild unten zeigt einen typischen Beschleunigungsverlauf im gesto\u00dfenen Pkw w\u00e4hrend der Crashs. veranschaulicht die hierdurch auftretende Vereinfachung. Die Fl\u00e4che unter der Kurve des Beschleunigungssignals entspricht dabei der Fl\u00e4che des durch die mittlere Beschleunigung und die Sto\u00dfdauer aufgespannten Rechtecks. Die mittlere Beschleunigung eignet sich also als zus\u00e4tzliche Kenngr\u00f6\u00dfe, wenn St\u00f6\u00dfe mit unterschiedlichen Kollisionsdauern miteinander verglichen werden sollen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_9.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-326\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_9.jpg\" alt=\"hws_9\" width=\"425\" height=\"268\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_9.jpg 425w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_9-300x189.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 425px) 100vw, 425px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Medizinische Untersuchung<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auswertung der medizinischen Voruntersuchung ergab, da\u00df acht der 19 Probanden vor den Crash-Tests schon einmal HWS-Beschwerden hatten. In der kernspintomographischen Voruntersuchung wiesen sechs Probanden degenerative Ver\u00e4nderungen (bspw. Bandscheibenprotusion) auf. Zum Zeitpunkt des Versuchs waren alle Freiwilligen beschwerdefrei.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Auswertung der ersten Nachuntersuchung (1 Tag nach dem Crash) ergab, da\u00df vier m\u00e4nnliche Probanden und eine weibliche Probandin Beschwerden schilderten. Diese waren kollisionsbedingten Geschwindigkeits\u00e4nderungen zwischen 11,4 und 14,2 km\/h ausgesetzt. Die klinischen Untersuchungen zeigten keine Verletzungsfolgen und die kernspintomographischen Befunde wiesen keinerlei Ver\u00e4nderungen zu den Voruntersuchungen auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die abschlie\u00dfende Untersuchung (4 bis 5 Wochen nach dem Crash) ergab, da\u00df nur noch ein Proband von den zuvor f\u00fcnf Probanden Beschwerden angab. Diese bestanden aus einer leichten Einschr\u00e4nkung der Linksrotation insbesondere in Flexion von 10\u00b0. Die Beschwerden der anderen drei m\u00e4nnlichen Probanden und der Probandin waren nach 1 bis 7 Tagen vollst\u00e4ndig abgeklungen. Die kernspintomographischen Untersuchungen wiesen auch zu diesem Untersuchungszeitpunkt keinerlei Ver\u00e4nderungen zu den Voruntersuchungen auf. Verletzungsfolgen fanden sich auch bei dieser letzten Untersuchung nicht. Zu keiner Zeit war einer der Probanden trotz subjektiv empfundener Beschwerden an der weiteren Aus\u00fcbung seiner beruflichen T\u00e4tigkeit gehindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Technisch-biomechanische Schlussfolgerungen<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Ergebnisse der in dieser Arbeit beschriebenen Studie hinsichtlich ihrer technischen Kollisionsparameter besser einordnen zuk\u00f6nnen, zeigt die folgende Abbildung zusammengefasst die unter kollisionsmechanischen Gesichtspunkten aufbereiteten Ergebnisse aller im Jahre 1993 und im Rahmen dieser Arbeit beschriebenen Auffahrkollisionen. Die Ergebnisse der Studie 93 sind mit hellen Symbolen und die der 97-er Studie mit dunklen Symbolen illustriert. Auf der Abszisse ist die massenbewertete Aufprallgeschwindigkeit in km\/h aufgetragen. Durch die Umrechnung der Aufprallgeschwindigkeit wird der Einfluss des Massenverh\u00e4ltnisses kompensiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_10.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-327 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_10.jpg\" alt=\"hws_10\" width=\"730\" height=\"490\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_10.jpg 730w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/hws_10-300x201.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grafik enth\u00e4lt somit nicht mehr den aus unterschiedlichen Fahrzeuggewichten resultierenden Einfluss und ist deshalb besser geeignet, Ansto\u00dfvorg\u00e4nge zu vergleichen. Die Geschwindigkeits\u00e4nderung im gesto\u00dfenen Fahrzeug h\u00e4ngt bei gegebener massenbewerteter Aufprallgeschwindigkeit nur von der Verformungscharakteristik bzw. ihrer mathematischen Beschreibung durch die Sto\u00dfziffer k bzw. die Trennungsgeschwindigkeit deltav\u2018 ab. Bei Kollisionspartnern gleichen Gewichts entspricht die massenbewertete Aufprallgeschwindigkeit exakt der Ansto\u00dfgeschwindigkeit des auffahrenden Fahrzeugs.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Ordinate ist in diesem Bild die gemessene Geschwindigkeits\u00e4nderung aufgetragen. Jedes schwarze Symbol innerhalb der Fl\u00e4che beschreibt eine Pkw-Auffahrkollision der Studie 97.m unteren Teil des Bildes hellgrau umrandete Bereich beinhaltet bis zu einer Geschwindigkeits\u00e4nderung von 10 km\/h nicht nur den gr\u00f6\u00dferen Anteil der von uns durchgef\u00fchrten Versuche, sondern auch die Ergebnisse vieler internationaler Arbeiten. Als Teilergebnis unserer Studie kann daher formuliert werden, dass durch eine Geschwindigkeits\u00e4nderung von bis zu 10 km\/h Verletzungen an der Halswirbels\u00e4ule eines Insassen im gesto\u00dfenen Fahrzeug sehr unwahrscheinlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus den Erfahrungen mit Skooter-Anlagen lassen sich noch weitergehende Erkenntnisse ableiten. Da bisher keine statistisch relevanten F\u00e4lle von Verletzungen der Halswirbels\u00e4ule nach Skooter-Anst\u00f6\u00dfen bekannt sind, kann der R\u00fcckschluss gezogen werden, dass Geschwindigkeits\u00e4nderungen von bis zu 10 km\/h unabh\u00e4ngig von Ansto\u00dfrichtung, Sitzkonfiguration und Kopfst\u00fctzeneinstellungen unkritisch sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Ansto\u00dfvorg\u00e4ngen in dem in der Grafik dunkel umrandeten Bereich ist nach dem bisherigen Kenntnisstand eine interdisziplin\u00e4re (technisch-medizinische) Beurteilung der Verletzungskausalit\u00e4t erforderlich. Hier sind dann neben den technischen Kollisionsparametern auch individuelle Einflussgr\u00f6\u00dfen im Rahmen der interdisziplin\u00e4ren Begutachtung zu ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zusammenfassend kann aus den Studien abgeleitet werden, dass kollisionsbedingte Geschwindigkeits\u00e4nderungen von bis zu 10 km\/h in den heckseitig angesto\u00dfenen Fahrzeugen sicher als harmlos bezeichnet werden k\u00f6nnen. Aufgrund der Ergebnisse der 97-er Studie ist sogar von einem Harmlosigkeitsbereich bis zu 11 km\/h auszugehen. Die Vergleichbarkeit der Versuche mit den t\u00e4glich millionenfach stattfindenden Autoskooter-Kollisionen zeigt, dass Verletzungen in diesem Belastungsniveau bei Fahrzeugkollisionen als Unfallfolge sehr unwahrscheinlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei Geschwindigkeits\u00e4nderungen zwischen 10 und 15 km\/h ist eine genaue Betrachtung der Gesamtumst\u00e4nde erforderlich. In einer interdisziplin\u00e4ren Zusammenarbeit zwischen einem medizinischen und einem technischen Sachverst\u00e4ndigen sollte hier eine sorgf\u00e4ltige Analyse der auftretenden Belastung, des Bewegungsablaufs bei Einbeziehung der K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und der Sitzkonstruktion erfolgen. Hierauf aufbauend kann dann der medizinische Sachverst\u00e4ndige das geschilderte Besch\u00e4digungsbild in Verbindung mit den vom Techniker gelieferten Belastungswerten auswerten. Durch ein derartiges interdisziplin\u00e4res Belastungsgutachten l\u00e4sst sich dann bei Ber\u00fccksichtigung der in dem jeweiligen Verfahren geltenden Beweislastverteilungen die Frage kl\u00e4ren, ob und in welchem Umfang unfallbedingte Verletzungen vorliegen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Oberhalb einer kollisionsbedingten Geschwindigkeits\u00e4nderung von 15 km\/h l\u00e4sst sich nach dem momentanen Kenntnisstand nicht ausschlie\u00dfen, dass Verletzungen auftreten k\u00f6nnen. Dies gilt insbesondere dann, wenn in dem Fahrzeug ung\u00fcnstige Belastungsbedingungen vorliegen. Hierzu z\u00e4hlen falsch eingestellte Kopfst\u00fctzen, unzureichende Sitzkonstruktionen und eine ung\u00fcnstige K\u00f6rperhaltung zum Ansto\u00dfzeitpunkt. Wie auch die statistische Auswertung zeigt, ist aber auch bei Geschwindigkeits\u00e4nderungen, die weit ober-halb dieser Grenze von 15 km\/h liegen, nicht zwingend von Verletzungen der Halswirbels\u00e4ule auszugehen. Liegt der K\u00f6rper eng an der R\u00fcckenlehne und der Kopfst\u00fctze eines gut konstruierten Sitzes an, f\u00fchren auch wesentlich h\u00f6here Geschwindigkeits\u00e4nderungen nicht zu kritischen Belastungswerten der Insassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Studie wurde von der Europ\u00e4ischen Wirbels\u00e4ulengesellschaft (European Spine Society) mit dem bedeutenden AcroMed-Preis f\u00fcr Wirbels\u00e4ulenforschung honoriert20. Dies zeigt die Bedeutung, die dieser interdisziplin\u00e4ren Studie im Bereich der Wirbels\u00e4ulenforschung zugeschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>Quelle dieser Seite: Meyer, St.; Weber, M. Kalthoff, W.: Schilgen, M.; Castro, W.H.M.: Freiwilligen-Versuche zur Belastung der Halswirbels\u00e4ule durch Pkw-Heck-Anst\u00f6\u00dfe. Verkehrsunfall und Fahrzeugtechnik (1999)<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zusammenfassung der Studie Im Rahmen einer interdisziplin\u00e4ren (technisch-medizinischen) Studie des Ingenieurb\u00fcros Schimmelpfennig + Becke und der Akademie f\u00fcr Manuelle Medizin an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster wurden Pkw-Auffahrkollisionen mit resultierenden Geschwindigkeits\u00e4nderungen zwischen 10 und 15 km\/h im Hinblick auf Verletzungen der Halswirbels\u00e4ule untersucht. 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