{"id":478,"date":"2016-06-18T13:03:57","date_gmt":"2016-06-18T11:03:57","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=478"},"modified":"2016-06-19T23:42:48","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:48","slug":"ausweichen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=478","title":{"rendered":"Ausweichen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify;\">Ausweichreaktion &#8222;von der Gefahr weg&#8220;<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verbleibt einem Kraftfahrer vor einer sich ank\u00fcndigenden Kollision noch ausreichend Zeit, dann wird er mit einer Abwehrbremsung versuchen, das Unfallereignis zu vermeiden. Bei pl\u00f6tzlich auftauchenden Gefahren verlaufen derartige Abwehrhandlungen automatisiert, da sie durch die t\u00e4gliche Fahrpraxis antrainiert sind. Je eindeutiger das Gefahrensignal identifiziert wird, desto gr\u00f6\u00dfer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Abwehrhandlung vergleichbar abl\u00e4uft. So wird z.B. bei einem von rechts nach links die Fahrbahn \u00fcberquerenden Fu\u00dfg\u00e4nger jeder routinierte Kraftfahrer unverz\u00fcglich bremsen und etwa zeitgleich versuchen, auszuweichen. Er wird zum Ausweichen dorthin steuern, wo sich zum Zeitpunkt des Gefahreneintritts eine L\u00fccke im Verkehrsraum bietet. Es kommt also zu einer Reaktion, die anschaulich als Abwehrreaktion \u201evon der Gefahr weg\u201c bezeichnet wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der unteren Bildsequenz ist dieser Ablauf f\u00fcr einen Unfall dargestellt, bei dem sich von links ein Radfahrer n\u00e4hert, der zun\u00e4chst noch durch ein Sichthindernis verdeckt ist. Bei der weiteren Ann\u00e4herung nimmt der Pkw-Fahrer, der den vor ihm liegenden Verkehrsraum st\u00e4ndig beobachtet, den an der Sichtgrenze auftauchenden Radfahrer zun\u00e4chst wahr. Da es sich um einen Objekt handelt, das sich seitlich in seinen Verkehrsraum hineinbewegt, wird eine Blickzuwendung ausgel\u00f6st und der Autofahrer fixiert das Objekt. Gleichzeitig bewegt sich der Radfahrer in dem Beispiel bereits in die Fahrbahn hinein und der Autofahrer erkennt, dass die Situation aufgrund des geringen Abstandes gef\u00e4hrlich wird. Er entschlie\u00dft sich spontan zu einer Abwehrbremsung und zudem auch zu einem Ausweichvorgang nach rechts \u201evon der Gefahr weg\u201c. Zu dem Zeitpunkt, als dieser Entschluss f\u00e4llt, befindet sich der Radfahrer noch auf der linken Fahrbahnh\u00e4lfte. Deshalb ist es durchaus nachvollziehbar, dass der Autofahrer die Ausweichl\u00fccke am rechten Fahrbahnrand nutzt. Oftmals werden hierdurch auch Ansto\u00dfvorg\u00e4nge vermieden, wenn der Radfahrer den \u00dcberquerungsvorgang wieder abbricht. Versucht er dagegen selbst, m\u00f6glichst z\u00fcgig die Fahrbahn vor dem Pkw zu r\u00e4umen, kann es in einer Verkettung ungl\u00fccklicher Umst\u00e4nde dazu kommen, dass der Radfahrer am \u00e4u\u00dferen Fahrbahnrand oder sogar bereits jenseits der Fahrbahn von dem gleichzeitig ausweichenden Pkw erfasst wird. H\u00e4ufig wird in derartigen F\u00e4llen von Rechtsanw\u00e4lten argumentiert, dass der Ansto\u00df vom Autofahrer deshalb verschuldet wurde, weil er den Ausweichvorgang durchgef\u00fchrt hat. Hieraus kann im Regelfall aber keine Vermeidbarkeitsm\u00f6glichkeit konstruiert werden, da das weitere Verhalten des Vorfahrtsverletzenden f\u00fcr den Bevorrechtigten nicht vorhersehbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><b>I. Normales Fahrsehen:<\/b><br \/>\nEin Kraftfahrer scannt st\u00e4ndig den vor ihm liegenden Verkehrsraum ab, wobei schwerpunktsm\u00e4\u00dfig der 2 bis 3 Sekunden sp\u00e4ter durchfahrende Bereich nach verkehrsrelevanten Informationen abgesucht wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-479 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_1.jpg\" alt=\"Reagieren_1\" width=\"641\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_1.jpg 641w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_1-300x116.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 641px) 100vw, 641px\" \/><\/a><b>II Wahrnehmung<\/b><br \/>\nEin sich bewegendes Objekt wird peripher gesehen und l\u00f6st eine Blickzuwendung aus. (Umschaltung von distributiver auf konzentrative Aufmerksamkeit). In dem Beispiel taucht der Radfahrer an der Sichtkante auf.<a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-480 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_2.jpg\" alt=\"Reagieren_2\" width=\"620\" height=\"131\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_2.jpg 620w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_2-300x63.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 620px) 100vw, 620px\" \/><\/a><b>III Erkennen<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Kraftfahrer erkennt, da\u00df sich das Objekt in seinen Fahrraum hineinbewegt. Er sit bereits zu nahe, um durch eine normele Abbremsung vor dem Hindernis anzuhalten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-481 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_3.jpg\" alt=\"Reagieren_3\" width=\"510\" height=\"170\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_3.jpg 510w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_3-300x100.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 510px) 100vw, 510px\" \/><\/a><b>IV Reaktion<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Automatismus wird ein zuvor antrainiertes reflexartiges Handeln ausgel\u00f6st. In fast allen F\u00e4llen wird spontan eine Abbremsung eingeleitet. \u00dcberlagert wird au\u00dferdem i.d.R. ein Ausweichvorgang, wenn sich im Verkehrsraum eine Ausweichl\u00fccke befindet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-482 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_4.jpg\" alt=\"Reagieren_4\" width=\"474\" height=\"174\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_4.jpg 474w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_4-300x110.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 474px) 100vw, 474px\" \/><\/a><b>V Abwehrvorgang<\/b><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Lenkung wird nach rechts verrissen, und die Richtungs\u00e4nderung setzt kurz vor der Notbremsung ein. Deshalb entsteht zun\u00e4chst eine einseitige Spurzeichnung der entlasteten kurveninneren R\u00e4der. Es sind jetzt zwei Ablaufm\u00f6glichkeiten denkbar: Der Radfahrer f\u00e4hrt weiter, es kommt zur Kollision; oder der Radfahrer bleibt stehen und der Ausweichvorgang war erfolgreich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_5.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-483 aligncenter\" src=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_5.jpg\" alt=\"Reagieren_5\" width=\"445\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_5.jpg 445w, https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/wp-content\/uploads\/2016\/06\/Reagieren_5-300x127.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 445px) 100vw, 445px\" \/><\/a>Aufgrund dieser zwei M\u00f6glichkeiten kann nach einem Ausweichvorgang in dieser Art, der auf den ersten Blick wie eine \u201cVerfolgungsfahrt\u201d aussieht, nicht gesagt werden, dass der Unfall durch eine Weiterfahrt geradeaus doch vermeidbar gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine Ausweichlenkung \u201evon der Gefahr weg\u201c unterbleibt, wenn \u00fcberhaupt keine L\u00fccke im Verkehrsraum vorhanden ist oder aber sich gleichzeitig noch Gegenverkehr n\u00e4hert, durch den die L\u00fccke versperrt ist. Oftmals entf\u00e4llt die Ausweichbewegung, da der Fahrer sein Fahrzeug bereits bei Beginn der Lenkbewegung mit blockierten R\u00e4dern abbremst. Die R\u00e4der werden durch die Vollbremsung sozusagen funktionsunt\u00fcchtig. Sie k\u00f6nnten genauso gut durch unter dem Fahrzeug montierte Gummibl\u00f6cke ersetzt werden. Mit blockierten R\u00e4dern wird das Fahrzeug deshalb lenkunt\u00fcchtig; es rutscht in die vor der Vollbremsung eingeschlagenen Richtung weiter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Regelfall stellt sich aber aufgrund der sich etwas fr\u00fchzeitiger auswirkenden Ausweichlenkung die in der letzten Abbildung V dargestellte Fahrzeugbewegung ein. Es kommt zun\u00e4chst zu einer einseitigen Spurzeichnung der aufgrund der Kurvenfahrt (Fliehkraft) entlasteten R\u00e4der. Bei einer Steigerung der Bremskr\u00e4fte setzt dann auch die Blockierspurzeichnung der belasteten Radseite ein und das Fahrzeug bewegt sich etwa geradlinig weiter, da das Fahrzeug nicht mehr lenkf\u00e4hig ist. Die bei einseitiger Spurzeichnung auftretende Verz\u00f6gerung finden Sie <a href=\"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/index.php\/ifu-lexikon\/bremsen\/einseitige-spur\/\">hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausweichreaktion &#8222;von der Gefahr weg&#8220; Verbleibt einem Kraftfahrer vor einer sich ank\u00fcndigenden Kollision noch ausreichend Zeit, dann wird er mit einer Abwehrbremsung versuchen, das Unfallereignis zu vermeiden. Bei pl\u00f6tzlich auftauchenden Gefahren verlaufen derartige Abwehrhandlungen automatisiert, da sie durch die t\u00e4gliche Fahrpraxis antrainiert sind. 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