{"id":495,"date":"2016-06-18T13:07:39","date_gmt":"2016-06-18T11:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=495"},"modified":"2016-06-19T23:42:48","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:48","slug":"zeugenaussagen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=495","title":{"rendered":"Zeugenaussagen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nach Verkehrsunf\u00e4llen sind h\u00e4ufig nicht gen\u00fcgend physikalische Ankn\u00fcpfungspunkte vorhanden, um die Unfallentwicklung umfassend zu rekonstruieren. Des ist man h\u00e4ufig bei der Rekonstruktion von Verkehrsunf\u00e4llen auf Zeugenaussagen angewiesen, um bestimmte Phasen der Unfallentwicklung zu rekonstruieren. Auch dann, wenn Zeugen Aussagen zu Unfallabl\u00e4ufen mit dem ehrlichen Bem\u00fchen um Objektivit\u00e4t abgeben, ist bei der \u00dcbernahme bestimmter, hieraus abgeleiteter physikalischer Eckdaten gr\u00f6\u00dfte Vorsicht geboten. Wie die t\u00e4gliche Praxis mit Zeugenbefragungen nach Verkehrsunf\u00e4llen n\u00e4mlich zeigt, ist die Beobachtungsf\u00e4higkeit von Zeugen und insbesondere von Unfallbeteiligten nur sehr gering. Beobachtungsl\u00fccken werden von Zeugen h\u00e4ufig dadurch geschlossen, dass im nachhinein aus der Endsituation Schlussfolgerungen \u00fcber den Hergang gezogen werden. Dies ist dem Zeugen dann nach l\u00e4ngeren Zeitr\u00e4umen \u00fcberhaupt nicht bewusst. Dabei verschwimmen tats\u00e4chliche Wahrnehmungen mit Schlussfolgerungen zu einem Gesamtbild und der Beobachter ist \u00fcberzeugt, das geschilderte Geschehen tats\u00e4chlich erlebt zu haben. Nach neueren psychologischen Untersuchungen aus den USA interpretiert das menschliche Ged\u00e4chtnis Geschehensabl\u00e4ufe in einem viel gr\u00f6\u00dferen Ma\u00dfe als es Fakten wiedergibt (Korte). Es funktioniert gerade nicht wie ein Videorekorder, der auf Knopfdruck brav abspielt, was es einmal aufgezeichnet hat. Vielmehr schreibt unser Ged\u00e4chtnis Erinnerungen st\u00e4ndig um, es streicht, f\u00fcgt hinzu und versieht, aus dem Blickwinkel der Gegenwart l\u00e4ngst vergangene Szenen mit neuer Bedeutung. Von diesem Verhalten bleiben auch Zeugenschilderungen nach Verkehrsunf\u00e4llen nicht verschont. In der forensischen Praxis stellt man h\u00e4ufig bei dem Vergleich der Protokolle eines Zeugen zu verschiedenen Zeitpunkten fest, dass v\u00f6llig unterschiedliche Darstellungen abgegeben werden. Oftmals sind die ersten Aussagen bei der Polizei und in Strafverfahren viel weniger detailliert oder nur bruchst\u00fcckhaft, w\u00e4hrend Jahre sp\u00e4ter in sich schl\u00fcssige, sehr pr\u00e4zise Schilderungen des gesamten Ablaufs abgegeben werden. Ein eindeutiges Zeichen daf\u00fcr, dass die Geschichte des Unfalls in der Zwischenzeit im Gehirn neu geschrieben wurde. Besonders eindrucksvoll zeigen sich die geschilderten Ph\u00e4nomene bei Verkehrsunf\u00e4llen, die von vielen hautnah beobachtet wurden. Die nachtr\u00e4gliche, getrennte Befragung f\u00fchrt dann h\u00e4ufig zu grundverschiedenen Schilderungen des tats\u00e4chlichen Geschehens.<br \/>\nBei Ber\u00fccksichtigung dieser einschr\u00e4nkenden Ausf\u00fchrungen ist es aber durchaus m\u00f6glich, Schilderungen Beteiligter und Zeugen entsprechend zu sichten. Hier sollte man den Aussagewert noch nach der zeitlichen Dauer der Vorg\u00e4nge beurteilen: Langfristige Man\u00f6ver (z.B. das eigene Fahrziel), die eigene Fahrgeschwindigkeit auf einer Landstra\u00dfe) werden sicherlich besser erinnert als sehr schnell verlaufende Ereignisse.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich m\u00fcssen aber in Gutachten alle Schlussfolgerungen, die auf Zeugenaussagen basieren, als solche kenntlich gemacht werden. Im Zivilverfahren ist es auch zul\u00e4ssig, einen Parteivortrag, der von einer anderen Partei nicht bestritten ist, f\u00fcr die Rekonstruktion zugrunde zulegen. Aber auch dies sollte in Gutachten kenntlich gemacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Verkehrsunf\u00e4llen sind h\u00e4ufig nicht gen\u00fcgend physikalische Ankn\u00fcpfungspunkte vorhanden, um die Unfallentwicklung umfassend zu rekonstruieren. Des ist man h\u00e4ufig bei der Rekonstruktion von Verkehrsunf\u00e4llen auf Zeugenaussagen angewiesen, um bestimmte Phasen der Unfallentwicklung zu rekonstruieren. 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