{"id":587,"date":"2016-06-18T13:59:12","date_gmt":"2016-06-18T11:59:12","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=587"},"modified":"2016-06-19T23:42:48","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:48","slug":"technische-maengel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=587","title":{"rendered":"Technische M\u00e4ngel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Bei einigen Unfallarten ist klar ersichtlich, dass menschliches Fehlverhalten die einzig denkbare Unfallursache ist. Hierzu geh\u00f6ren beispielsweise Vorfahrtsverletzungen oder auch die meisten \u00dcberholunf\u00e4lle. Bei anderen Abl\u00e4ufen stellt sich die Frage, ob m\u00f6glicherweise ein technischer Mangel den Verkehrsunfall ausgel\u00f6st haben k\u00f6nnte. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere Gegenverkehrsunf\u00e4lle oder Einzelunf\u00e4lle mit Abkommen von der Fahrbahn. In diesen F\u00e4llen beauftragt die Staatsanwaltschaft meist unmittelbar nach dem Unfall einen Sachverst\u00e4ndigen mit entsprechenden Untersuchungen.Hierbei sind insbesondere folgende Baugruppen zu untersuchen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Bremsen<\/li>\n<li>Lenkung<\/li>\n<li>Fahrgestell\/Achsaufh\u00e4ngungen<\/li>\n<li>Reifen<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der h\u00e4ufigste Mangel an Pkw-Bremsen sind vollst\u00e4ndig abgefahrene Bremsbel\u00e4ge. Dieser Mangel f\u00fchrt zwar nicht zu einem Totalausfall der Bremsanlage, der Bremsweg kann sich jedoch deutlich verl\u00e4ngern und es kann zu einer mehr oder weniger ausgepr\u00e4gten einseitigen Bremswirkung kommen. Weiterhin treten h\u00e4ufig Undichtigkeiten am Hauptbremszylinder oder an den Radbremszylindern auf. Ein Leck am Hauptbremszylinder f\u00fchrt zu einem allm\u00e4hlichen Entleeren des Vorratsbeh\u00e4lters und es kann Luft in die Bremsanlage gelangen. Der Fahrer bemerkt dies daran, dass sich das Bremspedal immer weiter durchdr\u00fccken l\u00e4sst und sich kein harter Druckpunkt bei der Pedalbet\u00e4tigung mehr aufbauen l\u00e4sst. Diese Entwicklung erfolgt sehr allm\u00e4hlich, aber nur bei einem absolut technischen Laien w\u00e4re es vorstellbar, dass dieser Mangel nicht lange vor dem endg\u00fcltigen Ausfall der Bremsanlage bemerkt wird. Leckstellen an Radbremszylindern sind schwieriger durch den Fahrer festzustellen. Sie f\u00fchren dazu, dass die Bremsanlage ver\u00f6lt und die Bremswirkung dadurch an einem Rad stark verringert wird. Auch hier kommt es in der Regel zu einem einseitigen Ziehen der Bremsanlage.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Ausfall der ABS-Anlage ist vom Fahrer in jedem Fall beherrschbar, da alle Funktionen einer normalen hydraulischen Bremsanlage erhalten bleiben. Zudem wird der Ausfall in der Regel nicht erst w\u00e4hrend des Unfallablaufs, sondern bereits in den Tagen zuvor auftreten. In diesem Fall wird der Fehler in der Regel durch das Aufleuchten einer Warnlampe am Armaturenbrett signalisiert.<\/p>\n<p>M\u00e4ngel an der eigentlichen Lenkungsanlage (Lenkgetriebe) von Pkw, die zu einem pl\u00f6tzlichen Versagen der Lenkung f\u00fchren, sind extrem selten. H\u00e4ufiger kommt es zum Abriss einer Vorderradf\u00fchrung durch ausgeschlagene \u00dcbertragungselemente (Spurstangenk\u00f6pfe). Das Vorderrad l\u00f6st sich hierdurch aus seiner F\u00fchrung und klappt seitlich weg. Dies f\u00fchrt bei h\u00f6herer Geschwindigkeit dazu, dass das Fahrzeug nicht mehr beherrscht werden kann.<\/p>\n<p>Technische M\u00e4ngel an der Karosserie, am Fahrgestell oder an den Achsaufh\u00e4ngungen treten insbesondere bei \u00e4lteren, schlecht gewarteten Pkw auf, die bereits starke Korrosionsans\u00e4tze zeigen. Bei einer Durchrostung der tragenden Teile der Achsbefestigungen an der Karosserie kann die gesamte Achsaufh\u00e4ngung pl\u00f6tzlich abrei\u00dfen. Geschieht dies bei h\u00f6heren Fahrgeschwindigkeiten, wird das Fahrzeug sofort unbeherrschbar. Dieser sehr gef\u00e4hrliche technische Mangel wird nach einem Verkehrsunfall nicht immer als unfallausl\u00f6send erkannt, da er aufgrund der starken Unfalldeformationen verdeckt ist. Bei \u00e4lteren Fahrzeugen mit hohen Laufleistungen besteht auch die Gefahr, dass sich Achsteile infolge starken Verschlei\u00dfes, insbesondere der Achslager pl\u00f6tzlich l\u00f6sen.<\/p>\n<p>Reifensch\u00e4den sind die am h\u00e4ufigsten vertretenen unfallausl\u00f6senden M\u00e4ngel an Kraftfahrzeugen. Sie k\u00f6nnen folgende f\u00fcnf Ursachen haben:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>zu geringer Luftdruck<\/li>\n<li>starke \u00dcberlastung durch \u00dcberschreiten der f\u00fcr den Reifen zul\u00e4ssigen Geschwindigkeit oder \u00dcberladung<\/li>\n<li>oberfl\u00e4chige, im Fahrbetrieb entstandene Verletzungen als Ausl\u00f6ser (Einstiche ohne direkten Luftverlust)<\/li>\n<li>unsachgem\u00e4\u00dfe Montage (Wulstverletzungen beim Aufziehen)<\/li>\n<li>Fertigungsm\u00e4ngel<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die erste Frage, die sich bei der Untersuchung eines drucklosen, an einem Unfallwagen montierten Reifens stellt, ist der Zeitpunkt des Schadeneintritts. Wenn der Reifenschaden bereits vor dem Ansto\u00df oder \u00dcberschlagvorgang entstand, dann spricht alles daf\u00fcr, dass der Reifenschaden diesen Unfall ausl\u00f6ste. Ist er dagegen w\u00e4hrend eines Ansto\u00dfvorganges oder in der Auslaufphase durch weitere Anst\u00f6\u00dfe, wie z.B. Bordsteinkantenkontakt oder einem \u00dcberschlagen des Fahrzeuges entstanden, dann ist er Unfallfolge und damit bedeutungslos. Ein entsprechend qualifizierter Sachverst\u00e4ndiger ist durch Begutachtung der Unfallspuren und des Reifens in der Lage, einen unfallausl\u00f6senden technischen Mangel an einem Reifen zu erkennen. Liegt er vor, handelt es sich nahezu immer um einen Dauerschaden, der bereits l\u00e4ngere Zeit vor dem Defekt angelegt war und sich bis zum Totalausfall langsam vergr\u00f6\u00dferte. Dieser Vorgang hinterl\u00e4sst gut auswertbare Spuren am Reifen. Wird dagegen ein Reifen bei einer Kollision mit einem Hindernis oder einem anderen Fahrzeug besch\u00e4digt, erfolgt im prallgef\u00fcllten Zustand des Reifens eine pl\u00f6tzliche \u00e4u\u00dfere Gewalteinwirkung, der Reifen platzt auf oder wird von der Felge gedr\u00fcckt. Dies f\u00fchrt zu einem v\u00f6llig anderen Spurenbild. Von den Unfallbeteiligten werden unfallurs\u00e4chliche Reifendefekte oft nach Verkehrsunf\u00e4llen behauptet. Eine eindeutige Aufkl\u00e4rung ist im allgemeinen nur dann m\u00f6glich, wenn entweder vor der Kollision eine ausgepr\u00e4gte Reifenspurzeichnung vorlag und auch fotografisch dokumentiert ist oder wenn der Reifen untersucht wird. Unter strafrechtlichen Gesichtspunkten l\u00e4sst sich oft nicht ausschlie\u00dfen, dass ein nach dem Unfall entl\u00fcfteter Reifen das Geschehen ausgel\u00f6st haben k\u00f6nnte. Liegen keine Reifenspuren vor der Kollision vor und steht der Reifen f\u00fcr eine Untersuchung nicht mehr zur Verf\u00fcgung, d\u00fcrfte diese Behauptung aus technischer Sicht nicht widerlegbar sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Liegt tats\u00e4chlich ein unfallurs\u00e4chlicher Reifendefekt nach der o.g. Auflistung vor, dann kann die genaue Eingrenzung der Ursache von erheblicher juristischer Bedeutung sein. Entsprechende Untersuchungen, bei denen auch moderne technische Hilfsmittel, wie r\u00f6ntgenologische Untersuchungen und Ultraschallpr\u00fcfung zum Einsatz kommen, werden im allgemeinen nur von speziellen Reifen-Sachverst\u00e4ndigen durchgef\u00fchrt. Liegen Anhaltspunkte f\u00fcr einen unfallurs\u00e4chlichen technischen Mangel vor, ist der Reifen einschlie\u00dflich der Felge im m\u00f6glichst unver\u00e4nderten Zustand an einen Reifen-Sachverst\u00e4ndigen abzugeben.<\/p>\n<p>Unfallausl\u00f6sende technische M\u00e4ngel an Lastkraftwagen sind wesentlich h\u00e4ufig vertreten als an Personenkraftwagen. Sie sind meist auf Wartungsm\u00e4ngel zur\u00fcckzuf\u00fchren. Hiervon betroffen sind leider nicht nur ausl\u00e4ndische Fahrzeuge aus den \u00f6stlichen Nachbarl\u00e4ndern, sondern auch inl\u00e4ndische Lkw, die den in Deutschland geltenden strengen Sicherheitskontrollen unterliegen. Die meisten technischen M\u00e4ngel betreffen die Bremsanlage, die im Gegensatz zu Pkw bei schwereren Lkw grunds\u00e4tzlich auf pneumatischer Basis aufgebaut ist. Alle Steuerungs- und Bedienungsvorg\u00e4nge der Bremsanlage erfolgen dabei \u00fcber Luftdruck. Bei schlechter Wartung dieser Anlage k\u00f6nnen schleichend oder pl\u00f6tzlich Leckagen auftreten, die einen teilweisen oder bei \u00e4lteren Fahrzeugen sogar einen vollst\u00e4ndigen Ausfall der Bremsanlage bewirken k\u00f6nnen. Als einzige Sicherheitsma\u00dfnahme sind unter diesen Umst\u00e4nden nur noch die sogenannten Federspeicher-Bremszylinder vorhanden, die bei einem Druckabfall in der Bremsanlage \u00fcber starke Metallfedern die Bremse bet\u00e4tigen. Dabei werden aber nur einzelne Achsen, nicht jedoch alle R\u00e4der verz\u00f6gert. Ein weiterer h\u00e4ufiger Mangel an Lkw-Bremsen sind verminderte Bremswirkungen an einzelnen R\u00e4dern durch abgefahrene oder falsch eingestellte Bremsbel\u00e4ge. Insbesondere bei Anh\u00e4ngern und Aufliegern, die h\u00e4ufig gewechselt werden, sind Wartungsm\u00e4ngel h\u00e4ufig zu beobachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei einigen Unfallarten ist klar ersichtlich, dass menschliches Fehlverhalten die einzig denkbare Unfallursache ist. Hierzu geh\u00f6ren beispielsweise Vorfahrtsverletzungen oder auch die meisten \u00dcberholunf\u00e4lle. Bei anderen Abl\u00e4ufen stellt sich die Frage, ob m\u00f6glicherweise ein technischer Mangel den Verkehrsunfall ausgel\u00f6st haben k\u00f6nnte. Hierzu z\u00e4hlen insbesondere Gegenverkehrsunf\u00e4lle oder Einzelunf\u00e4lle mit Abkommen von der Fahrbahn. 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