{"id":605,"date":"2016-06-18T14:05:38","date_gmt":"2016-06-18T12:05:38","guid":{"rendered":"http:\/\/uf.fsar.de\/?page_id=605"},"modified":"2016-06-19T23:42:48","modified_gmt":"2016-06-19T21:42:48","slug":"weg-zeit-diagramm-teil-a","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unfallanalyse.hamburg\/?page_id=605","title":{"rendered":"Weg-Zeit-Diagramm Teil A"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\">Um die Entwicklung eines Verkehrsunfalls beurteilen und Fragen zur Vermeidbarkeit beantworten zu k\u00f6nnen, mu\u00df man sich \u00fcber den Ablauf des Unfalls im klaren sein. Bei einer typischen Vorfahrtsverletzung stellen sich dabei folgende entscheidene Fragen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Wie weit war der Bevorrechtigte entfernt, als die Vorfahrtsverletzung erkennbar war?<\/li>\n<li>Welche Zeit verging noch bis zum Aufprall?<\/li>\n<li>Wie weit war der Bevorrechtigte entfernt, als der Vorfahrtsverletzende sich dazu entschlossen hatte, in die bevorrechtigte Fahrbahn einzufahren?<\/li>\n<li>Welche Zeit verging ab diesem Augenblick bis zum Unfall?<\/li>\n<li>Wo h\u00e4tte sich der Vorfahrtsverletzende befunden, wenn bei pflichtm\u00e4\u00dfigem Verhalten des Bevorrechtigten zwar keine r\u00e4umliche Vermeidbarkeit, jedoch eine sp\u00e4tere Ankunft an der Unfallstelle vorgelegen h\u00e4tte?<\/li>\n<li>Um welche Zeitspanne sp\u00e4ter w\u00e4re er an der Unfallstelle eingetroffen?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei diesen Fragestellungen spielt sowohl die Entfernung &#8211; also der Weg, als auch die Zeit eine Rolle. Im Gutachten spricht man von den Weg-Zeit-Zusammenh\u00e4ngen. Sie lassen sich sowohl in Zahlen darstellen, als auch in Form eines Diagramms, dem Weg-Zeit-Diagramm. F\u00fcr den Laien zun\u00e4chst einfacher zu verstehen ist eine Angabe in Zahlenwerten, beispielsweise in der Form: \u201eDer Bevorrechtigte reagierte 1,35 s vor der Kollision in einer Entfernung von 32,5 m zum Kollisionsort.\u201c Da aber s\u00e4mtliche Rekonstruktionsergebnisse toleranzbehaftet sind, und verschiedene Alternativen untersucht werden m\u00fcssen, wird eine rein zahlenm\u00e4\u00dfige Darstellung sehr schnell un\u00fcbersichtlich und hat zudem nach Nachteil, da\u00df nur bestimmte Eckpunkte der Unfallentwicklung herausgegriffen werden k\u00f6nnen. In der Praxis hat sich deshalb die Darstellung in Diagrammform bew\u00e4hrt. Sie setzt allerdings voraus, da\u00df der Leser des Gutachtens dieses Diagramm interpretieren kann. Hierzu mu\u00df er den grunds\u00e4tzlichen Aufbau verstehen, was, wie die Praxis zeigt, h\u00e4ufig aber nicht der Fall ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um hier Hilfestellung zu leisten, wird im folgenden zun\u00e4chst ausf\u00fchrlich erkl\u00e4rt, was unter einem Weg-Zeit-Diagramm zu verstehen ist und wie die dort eingezeichneten Linien zu interpretieren sind. Bei diesen Erkl\u00e4rungen werden keine mathematischen Grundkenntnisse vorausgesetzt. Ziel ist es, dem interessierten technischen Laien das Lesen und Interpretieren dieses bei der gewissenhaften Lekt\u00fcre einer Unfallanalyse unverzichtbaren Diagramms zu erm\u00f6glichen. In vielen F\u00e4llen werden wichtige Zusammenh\u00e4nge in Gutachten von Juristen oder den Verfahrensbeteiligten selbst nicht erkannt, weil sie nur aus dem Weg-Zeit-Diagramm ersichtlich sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein Weg-Zeit-Diagramm f\u00fcr eine Unfallanalyse kann anschaulich als der Fahrplan des Unfalls bezeichnet werden. Ein K\u00f6rper, der sich in Bewegung befindet, ben\u00f6tigt zur Bew\u00e4ltigung einer bestimmten Wegstrecke eine bestimmte Zeitspanne. Das <b>Bewegungsverhalten<\/b> wird mit der Einheit Geschwindigkeit in km\/h (gebr\u00e4uchlich im Stra\u00dfenverkehr) oder der Einheit m\/s (gebr\u00e4uchlich f\u00fcr Weg-Zeit-Betrachtungen) angeben. Wie schon im Themenbereich Geschwindigkeit dargelegt, liegt der Umrechnungsfaktor bei 3,6, so entspricht eine Geschwindigkeit von 36 km\/h genau einer Wegstrecke von 10 m, die in einer Sekunde zur\u00fcckgelegt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Berechnungsvorg\u00e4nge in der Einheit km\/h werden im t\u00e4glichen Leben st\u00e4ndig durchgef\u00fchrt. So wei\u00df man, da\u00df ein Autofahrer f\u00fcr eine Autobahnfahrt \u00fcber eine Strecke von 400 km mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 80 km\/h eine Zeit von 5 Stunden ben\u00f6tigt; liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit mit 160 km\/h doppelt zu hoch, werden noch 2,5 Stunden f\u00fcr die gleiche Entfernung ben\u00f6tigt. \u00c4hnliche \u00dcberlegungen lassen sich f\u00fcr einen Fu\u00dfg\u00e4nger anstellen, der die Fahrbahn \u00fcberquert. Aus <b>Versuchsmessungen<\/b> ist bekannt, da\u00df ein Erwachsener beim Laufen etwa 11 km\/h, dies entspricht 3 m\/s erreicht. Demzufolge ben\u00f6tigt er beim \u00dcberqueren der Fahrbahn f\u00fcr eine Entfernung von 6 m etwa 2 s. Beim normalen Gehen erreicht er nur die halbe Geschwindigkeit und ben\u00f6tigt deshalb die doppelte Zeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Man kann nun derartige Bewegungen, die sich aus den Grundeinheiten Weg und Zeit zusammensetzten, grafisch anschaulich in einem Diagramm erfassen, in dem der Weg horizontal und die Zeit vertikal aufgetragen sind. \u00dcblicherweise wird dabei der Weg in der Einheit \u201eMeter\u201c und die Zeit in der Einheit \u201eSekunden\u201c angegeben. Die Abbildung zeigt den grunds\u00e4tzlichen Aufbau eines derartigen Diagramms.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Bild steht zur Zeit nicht zur Verf\u00fcgung]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im folgenden Beispiel mit der unten stehenden Abb. wird in dieses Diagramm der Bewegungsvorgang eines Pkw mit einer gleichf\u00f6rmigen Geschwindigkeit von 50 km\/h \u00fcber eine Sekunde, das entspricht 13.9 m\/s mit einer sich anschlei\u00dfenden Bremsung eingetragen.Um einen direkten Bezug zur Zeichnung herzustellen, wird das Diagramm im gleichen Ma\u00dfstab unterhalb der Zeichnung eingetragen und die jeweiligen Fahrzeugpositionen nach einem Zeitintervall von 1 s, 2 s und 3 s sind sowohl im Diagramm als auch in der Zeichnung angegeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Koordinatenursprung, also der Nullpunkt des Diagramms liegt in der \u00e4u\u00dferen linken Fahrposition auf dieser Zeichnung. Da in einer Sekunde 13.9 m zur\u00fcckgelegt werden, liegt die entsprechende Position nach einer Sekunde Fahrzeit unmittelbar fest. Die Bewegungslinie, die sich f\u00fcr diesen ersten Teil des Vorgang ergibt, ist eine schr\u00e4g nach unten gerichtete Gerade. Eine deratige Linie wird im Diagramm als Fahrlinie des Pkw bezeichnet. Aus dem Bezug mit der Zeichnung erkennt man, da\u00df sich die eingetragene Fahrlinie auf die Front des Pkw bezieht. Sie k\u00f6nnte aber auch auf jeden anderen Punkt am Fahrzeug ausgerichtet sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Bild steht zur Zeit nicht zur Verf\u00fcgung]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00e4hrt ein Fahrzeug mit gleichbleibender Geschwindigkeit, ergibt sich im Weg-Zeit-Diagramm eine schr\u00e4g verlaufende Gerade. Je steiler diese Gerade zur Waagerechten ausgerichtet ist, umso geringer ist die Geschwindigkeit. Steht ein Fahrzeug, dann verl\u00e4uft die Gerade exakt senkrecht. Bei Unf\u00e4llen ist aber nur f\u00fcr die Ann\u00e4herungsphase von etwa gleichbleibenden Geschwindigkeiten auszugehen. Nach dem Erkennen der Gefahr wird ein Fahrzeug abgebremst, dabei verringert sich die Geschwindigkeit w\u00e4hrend des Bremsvorgangs in Abh\u00e4ngigkeit von der eingesteuerten Verz\u00f6gerung. Ein Beispiel f\u00fcr eine derartige, zun\u00e4chst konstante und dann verz\u00f6gerte Fahrzeugbewegung ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Abbildung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um nur die grunds\u00e4tzlichen Zusammenh\u00e4nge zu veranschaulichen, wurde ein Abbremsvorgang vor einer von gr\u00fcn auf rot wechselnden Lichtzeichenanlage unterstellt, bei dem der Pkw mit Hilfe eines st\u00e4rkeren Abbremsvorgangs gerade vor der Lichtzeichenanlage anhalten kann. Er n\u00e4hert sich zun\u00e4chst mit einer konstanten Geschwindigkeit von 50 km\/h; die Ampel wechselt zum Zeitpunkt t = 0 und s = 0 von gr\u00fcn auf gelb. Nach einer Reaktionsdauer von 1 s, in der 13,9 m zur\u00fcckgelegt werden, reagiert der Kraftfahrer auf diesen Wechsel mittels einer dosierten Abbremsung mit einer mittleren Verz\u00f6gerung von knapp 3,5 m\/s2. Dabei kommt er genau vor der Lichtzeichenanlage zum Stillstand. Die Bremsdauer liegt bei 4 s und der innerhalb der Bremsstrecke noch zur\u00fcckgelegte Weg bei rund 28 m. In der Zeichnung sind die bei diesem Vorgang jeweils in 1 s zur\u00fcckgelegten Wegstrecken eingetragen. Der Vergleich dieser Entfernungen untereinander zeigt, da\u00df w\u00e4hrend des Bremsvorgangs in jeder Sekunde immer weniger Weg zur\u00fcckgelegt wird, da die Geschwindigkeit w\u00e4hrend des Bremsvorgangs immer geringer wird (1. Sekunde: 12,55 m; 2. Sekunde: 8,60 m; 3. Sekunde: 5,10 m; 4. Sekunde: 1,6 m). Man erh\u00e4lt einen parabelf\u00f6rmigen Verlauf der Fahrlinie, je st\u00e4rker die Kr\u00fcmmung, desto st\u00e4rker die Abbremsung des Fahrzeuges.Der gesamte Reaktions- und Bremsvorgang ist nach exakt 5 s abgeschlossen; das Fahrzeug hat die Stillstandsposition direkt vor der Lichtzeichenanlage erreicht. Bei dem sich anschlie\u00dfenden Wartevorgang verl\u00e4uft die Bewegungslinie senkrecht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der n\u00e4chsten Abb. ist hierauf aufbauend der sich nach der Freigabe der Lichtzeichenanlage durch Gr\u00fcnlicht anschlie\u00dfende Anfahrvorgang dargestellt. Bezogen auf den weiter oben angegebenen Nullpunkt (Gelbwechsel) soll die Lichtzeichenanlage bei Sekunde 21 auf gr\u00fcn wechseln und der Pkw gleichzeitig mit der Gr\u00fcnfreigabe auch wieder beschleunigt anfahren. Bei einer konstanten Beschleunigung werden hierbei in jeder Sekunde immer gr\u00f6\u00dfere Entfernungen zur\u00fcckgelegt. Bei einem Anfahr- oder Beschleunigungsvorgang liegt also ebenfalls ein parabelf\u00f6rmiger Verlauf vor, wobei die Parabel genau umgedreht verl\u00e4uft. Anschaulich kann gesagt werden, da\u00df bei einer Verz\u00f6gerung bis zum Stillstand die Parabel in einer Senkrechten endet, w\u00e4hrend sie bei einem Beschleunigungsvorgang aus dem Stand aus einer Senkrechten kommt und mit wachsender Geschwindigkeit immer mehr in Richtung der Waagerechten verl\u00e4uft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Bild steht z.Z. nicht zur Verf\u00fcgung]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine \u00dcbersicht der grunds\u00e4tzlich m\u00f6glichen Fahrvorg\u00e4nge ist in der weiteren Abb. dargestellt. Hieraus wird deutlich, da\u00df sich st\u00e4rkere Verz\u00f6gerungen und Beschleunigungen Beschleunigungen auf die Kr\u00fcmmung der Bewegungslinie auswirken. Bremst man, wie in dem Beispiel dargestellt, aus einer Geschwindigkeit von 40 km\/h bis zum Stillstand ab, wird bei einer st\u00e4rkeren Verz\u00f6gerung eine geringere Zeit und auch ein geringerer Weg bis zum Erreichen der Stillstandsposition ben\u00f6tigt. Das gleiche gilt auch f\u00fcr eine beschleunigte Bewegung. Je st\u00e4rker die Beschleunigung, desto geringer ist die Wegstrecke und die Zeitspanne, die bis zum Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeit ben\u00f6tigt wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Bild steht z.Z. nicht zur Verf\u00fcgung]<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">[Bild steht z.Z. nicht zur Verf\u00fcgung]<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um die Entwicklung eines Verkehrsunfalls beurteilen und Fragen zur Vermeidbarkeit beantworten zu k\u00f6nnen, mu\u00df man sich \u00fcber den Ablauf des Unfalls im klaren sein. 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