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Definitionen

  • Abszisse Kurzform für Abszissenachse = waagerechte Achse, in der Unfallrekonstruktion häufig verwendet zum Zeichnen von einem Weg-Zeit-Diagramm.
  • Anhalten Beendigung eines Bewegungszustandes
  • Anhaltezeit Zeitspanne zwischen Bremsendschluss (im Unfall Gefahrenerkennung) und kollisionsfreiem Fahrzeugstillstand ohne Kollision
  • Anhaltestrecke Strecke zwischen Bremsendschluss (im Unfall Gefahrenerkennung) und kollisionsfreiem Fahrzeugstillstand ohne Kollision
  • Aufprallgeschwindigkeit In der Normung wird hierunter diejenige Geschwindigkeit verstanden, mit der ein Körperteil eines Menschen oder Tieres auf ein Fahrzeug aufprallt. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist dieser Begriff auch gebräuchlich. Man unterscheidet Hüftaufprallgeschwindigkeit und Kopfaufprallgeschwindigkeit bei einem Fußgängerunfall, während die Hüftaufprallgeschwindigkeit noch annährend mit der Kollisionsgeschwindigkeit des Fahrzeugs übereinstimmt, gilt dies für die Kopfaufprallgeschwindigkeit in der Regel nur noch bei kastenförmig aufgebauten Fahrzeugen, nicht jedoch bei Pkw.
  • Aufprallwinkel Winkel zwischen den Fahrzeuglängsachsen zweier Fahrzeuge zum Kollisionszeitpunkt.
  • Beladung Die Beladung von Kraftfahrzeugen spielt bei der Abbremsung eines Pkws keine wesentliche Rolle, da auch bei voller Beladung noch genügend hohe Bremskräfte aufgebracht werden können. Bei Lkw sind im vollbeladenen Zustand deutliche Abstriche bei der Bremswirkung vorstellbar. Bei kollisionsmechanischen Betrachtungen ist die tatsächliche Beladung häufig unbekannt und wird zur Durchführung der Berechnungen angenommen. Insbesondere bei der Anwendung des Impulssatzes sind hier größere Fehler denkbar.
  • Bewegungslinie Linie im Weg-Zeit-Diagramm, die eine Bewegung beschreibt und eine gleichzeitige wirkliche und zeitliche Zuordnung ermöglicht.
  • Driften Noch kontrollierte Kurvenfahrt, bei der das Fahrzeug bereits stark übersteuert. Bei Überschreiten eines Driftwinkels in einer Größenordnung von 10°, kommt es zu einem unkontrollierbarem Schleudern.
  • Einknicken Starke Verdrehung zwischen Zugfahrzeug und Anhänger im Rahmen von Schleuderbewegungen oder bei starken Abbremsungen.
  • Entfernungsangaben mit einem Unfallbeteiligten In der Regel gibt der Fahrer die Entfernung erst zum angefahrenen Objekt an, wo seine Abwehrhandlung (z.B. Abbremsung) einsetzt.
  • Erkennungsentfernung Nicht identisch mit dem Begriff der Sichtweite. Während diese für die etwa einsehbare Fahrstrecke eine Rolle spielt, ist die Erkennungsentfernung jene Distanz, in der ein Objekt als Gefahrenobjekt identifiziert werden kann. Bei einem Fußgängerunfall liegt die Sichtweite auf den weiteren Straßenverlauf weit oberhalb der Erkennungsentfernung eines dunkel gekleideten Fußgängers.
  • Erwartungshaltung Der Mensch nimmt bei der Auswahl seiner Entscheidungen regelmäßig an, dass der von ihm beobachtete Zustand unverändert erhalten bleibt. Er erwartet also, dass der in Bewegung befindliche Verkehrsteilnehmer seine Bewegung unverändert fortsetzt, der stehende Verkehrsteilnehmer stehend bleibt.
  • Fahrlinie Bewegungslinie, die einen Fahrvorgang in einer Zeichnung oder einem Weg-Zeit-Diagramm darstellt.
  • Frontlinie Bewegungslinie der Fahrzeugfront in einem Weg-Zeit-Diagramm
  • Hecklinie Bewegungslinie des Fahrzeughecks in einem Weg-Zeit-Diagramm.
  • Kontaktpunktbahn Bewegungsbahn des Kontaktpunktes in einer Zeichnung oder in einem Weg-Zeit-Diagramm.
  • Kontaktpunktlinie Bewegungslinie des Kontaktpunktes in einer Zeichnung oder in einem Weg-Zeit-Diagramm.
  • Koordinatensystem Rechtwinkliges Bezugssystem mit frei wählbarem Koordinatenursprung. In der Unfallrekonstruktion wird bei zeitlich/räumlichen Betrachtungen in einem Weg-Zeit-Diagramm ein rechtwinkliges Koordinatensystem verwendet. Auf der x-Achse dieses Koordinatensystems ist der zurückgelegte Weg und auf der y-Achse die Zeit eingetragen. Der Koordinatenursprung entspricht in der Regel dem Kollisionsereignis.
  • Momentanposition Position eines Verkehrsteilnehmers während seiner Bewegung in einem bestimmten Zeitpunkt.
  • Räumliche Vermeidbarkeit s. Vermeidbarkeit
  • Räumstrecke (-Zeit) Strecke, die zum Überqueren bzw. Verlassen des Fahrraumbedarfes des Querverkehrs unter Berücksichtigung der Länge des eigenen Fahrzeuges durchfahren werden muss bzw. deren Zeitbedarf.
  • Schwerpunktbahn (Schwerpunktweg) Senkrechtprojektion des Fahrzeugschwerpunktes während der Bewegung auf die Fahrfläche, bei Schleuderbewegungen eines Fahrzeugs ohne äußere Störeinflüsse verläuft die Schwerpunktbahn entweder gerade oder gleichmäßig gekrümmt.
  • Schwerpunktlinie Bewegungslinie des Schwerpunktes.
  • Sichtpunkt Punkt oder Bereich eines Körpers, der beim Auftauchen hinter einem Hindernis zuerst sichtbar wird.
  • Sichtpunktbahn Bewegungsbahn des Sichtpunktes (der zuerst an der Sichtsgrenze auftauchende Punkt eines ausgedehnten Körpers) .
  • Sichtstrahl Gerade, die vom Augpunkt in die Blickrichtung einer Person zeigt.
  • Sichttoter Raum Bei den meisten Personen im Kraftwagen befindet sich seitlich am Fahrzeug etwa in Höhe der Hinterachse der sogenannte „tote Winkel“, der vom Fahrer nur durch einen Schulterblick eingesehen werden kann. Bei Lkw liegen größere Bereiche vor, die vom Fahrer aus dem Führhaus nicht eingesehen werden können. Dies gilt insbesondere bei ungenügender Ausstattung der Lkw mit Rück- und Seitenspiegeln. Bei Lkw und sind sichttote Bereiche insbesondere bei engradigen Abbiegvorgängen nicht zu vermeiden. Dabei ereignen sich häufig Unfälle mit Zweirädern, die sich während des Abbiegvorganges im sichttoten Raum befinden.
  • Sturzstrecke Strecke zwischen Beginn der Instabilität eines Zweiradfahrzeuges bis zur ersten Bodenberüh­rung nach dem Umstürzen.
  • Teilanhaltestrecke (-Zeit) Teilstrecke (-Zeit) im Bremsvorgang mit Einrechnung der Vorbremsstrecke (-Zeit).
  • Teilbremsstrecke (-Zeit) Teilstrecke (-Zeit) im Bremsvorgang ohne Einrechnung der Vorbremsstrecke (-Zeit)
  • Toter Winkel Sichttoter Raum. Sichtschatten insbesondere zwischen den beiden im Innen- und Außenspiegel abgebildeten Bereichen.
  • Verzögerungslinie Parabel für eine Bewegungslinie, die eine Verzögerung beschreibt.
  • Vierrad-Modell Modell, bei dem das Verhalten jedes einzelnen Rades in Simulationsrechnungen erfasst ist.
  • Wegachse Weg-Koordinate im Weg-Zeit-Diagramm, im allgemeinen die x-Achse (Abzisse)
  • Weglinie Gerade, die einen konstanten Weg im Weg-Zeit-Diagramm abbildet.
  • Weg-Zeit-Diagramm Darstellung des Weges als Funktion der Zeit in einem kartesischen Koordinatensystem mit Weg- und Zeitachse.
  • Zeitachse Zeit-Koordinate im Weg-Zeit-Diagramm, im allgemeinen die y-Achse (Koordinate).
  • Zeitlinie Gerade, die eine konstante Zeit im Weg-Zeit-Diagramm abbildet.
  • Zeit-Weg-Analyse Bei der Zeit-Weg-Analyse wird verschiedene Zeitpunkte innerhalb der Unfallentwicklung die jeweilige Position der Fahrzeuge betrachtet. Sie kann auf verschiedene Arten durchgeführt werden:
    • verbal: textliche Beschreibung der zeitgleichen Positionen der unfallbeteiligten Fahrzeuge
    • tabellarisch: in einer Tabelle werden die Positionen für verschiedene Zeitpunkte angegeben
    • graphisch: Einzeichnen der zeitgleichen Positionen in eine Unfallskizze